Wer sein Geld langfristig anlegen möchte, stößt früher oder später auf Berkshire Hathaway. Die Holding vereint Versicherungen, Eisenbahn, Energie, Industrie und ein großes Aktienportfolio unter einem Dach. Ich zeige, wie das Geschäftsmodell funktioniert, welche Zahlen 2026 wichtig sind, worin die Chancen liegen und welche Risiken Anleger vor dem Kauf der Aktie prüfen sollten.
Die wichtigsten Punkte für Anleger auf einen Blick
- Holdingmodell: Der Konzern besitzt zahlreiche Unternehmen vollständig oder teilweise und verteilt das Kapital zentral.
- Geschäftsfelder: Besonders wichtig sind Versicherungen, BNSF Railway, Energie sowie Industrie-, Dienstleistungs- und Handelsunternehmen.
- Aktienklassen: BRK.A und BRK.B haben nahezu identische wirtschaftliche Rechte, unterscheiden sich aber deutlich beim Preis und Stimmrecht.
- Aktuelle Stärke: Im zweiten Quartal 2026 erreichte das operative Ergebnis rund 13,0 Milliarden US-Dollar.
- Wichtige Risiken: Dazu gehören die Nachfolge von Warren Buffett, hohe Aktienkonzentrationen, Versicherungsschäden und das Fehlen einer Dividende.
Was hinter dem Konzern aus Omaha steckt
Ich sehe Berkshire nicht als gewöhnliche Beteiligungsgesellschaft und auch nicht als reinen Fonds. Es handelt sich um eine Holding mit eigenen Tochterunternehmen, die in vielen Fällen dauerhaft im Konzern bleiben. Gleichzeitig investiert die Gesellschaft einen Teil ihrer Mittel in börsennotierte Unternehmen.
Das besondere Modell besteht aus zwei Ebenen. Die Tochtergesellschaften erwirtschaften laufende Gewinne und Cashflow, während das Management überschüssiges Kapital in neue Beteiligungen, Übernahmen oder eigene Aktien steckt. Dadurch erhält ein Aktionär mit einer einzigen Aktie Zugang zu vielen unterschiedlichen Geschäftsmodellen.
Warren Buffett prägte diese Struktur über Jahrzehnte. Seit dem 1. Januar 2026 ist Greg Abel Vorstandschef, während Buffett Vorsitzender des Verwaltungsrats bleibt. Für mich ist das ein wichtiger Übergang, aber kein kompletter Bruch mit der bisherigen Kultur, denn Abel kennt das operative Geschäft seit Jahren.
Diese Geschäftsfelder tragen die Gewinne
Die breite Aufstellung klingt zunächst nach maximaler Diversifikation. Bei genauerem Hinsehen stammen die Ergebnisse jedoch vor allem aus einigen besonders großen Bereichen. Genau dort sollten Anleger zuerst hinschauen.
Versicherungen und der sogenannte Float
Zum Versicherungsgeschäft gehören unter anderem GEICO, General Re und weitere Erst- und Rückversicherer. Versicherungen nehmen Beiträge ein und zahlen Schäden oft erst später. Das Geld, das bis dahin zur Verfügung steht, wird als Insurance Float bezeichnet.
Ende Juni 2026 lag dieser Float bei etwa 177,5 Milliarden US-Dollar. Er ist kein kostenloses Darlehen und darf nicht mit frei verfügbarem Gewinn verwechselt werden. Trotzdem verschafft er dem Konzern eine große Kapitalbasis für Anlagen und Übernahmen.
Das Geschäft bleibt anfällig für Naturkatastrophen, Großschäden und falsche Risikokalkulationen. Gute Versicherungsjahre können deshalb von einem einzigen außergewöhnlichen Schadenereignis überschattet werden.
BNSF Railway
Die Eisenbahngesellschaft BNSF ist eine der wichtigsten vollständig kontrollierten Beteiligungen. Sie transportiert Güter durch große Teile der USA und profitiert von ihrer Infrastruktur, die sich nur schwer kurzfristig kopieren lässt.
Im zweiten Quartal 2026 erzielte BNSF ein operatives Ergebnis von rund 1,56 Milliarden US-Dollar. Die Kehrseite ist der hohe Kapitalbedarf für Schienen, Lokomotiven, Brücken und Wartung. Das macht die Sparte weniger flexibel als ein rein digitales Unternehmen, verleiht ihr aber auch einen vergleichsweise dauerhaften wirtschaftlichen Wert.
Energie und Versorger
Berkshire Hathaway Energy bündelt regulierte Versorger und Energieaktivitäten. Dazu gehören Stromerzeugung, Netze und Gasversorgung. Regulierte Einnahmen sorgen für eine gewisse Planbarkeit, gleichzeitig begrenzen Behörden Preise und Renditen.
Der Bereich verdiente im zweiten Quartal 2026 rund 891 Millionen US-Dollar. Investoren sollten hier nicht nur auf den Gewinn schauen, sondern auch auf Verschuldung, Zinsen, politische Vorgaben und den enormen Investitionsbedarf für Netze und erneuerbare Energien.
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Industrie, Dienstleistungen und Konsum
Die breiteste Gruppe umfasst Unternehmen aus Industrie, Bau, Transport, Luftfahrt, Chemie, Haushaltsprodukten und Einzelhandel. Bekannte Namen sind unter anderem Duracell, Dairy Queen, See’s Candies, NetJets, Clayton Homes und verschiedene Unternehmen der Marmon-Gruppe.
2026 kamen durch OxyChem und Taylor Morrison weitere Aktivitäten hinzu. OxyChem wurde Anfang Januar für ungefähr 9,4 Milliarden US-Dollar übernommen. Taylor Morrison folgte im Juli mit einem Eigenkapitalwert von rund 6,8 Milliarden US-Dollar. Für mich zeigt das, dass die Holding trotz großer Barreserven weiterhin nach langfristig passenden Übernahmen sucht.
| Bereich | Operatives Ergebnis im 2. Quartal 2026 | Worauf Anleger achten sollten |
|---|---|---|
| Versicherung | 4,79 Mrd. US-Dollar inklusive Kapitalerträgen | Schadenentwicklung, Rückversicherung und Float |
| BNSF Railway | 1,56 Mrd. US-Dollar | Transportvolumen, Preise und Investitionen |
| Energie | 891 Mio. US-Dollar | Regulierung, Zinsen und Netzausbau |
| Industrie, Dienstleistungen und Handel | 4,47 Mrd. US-Dollar | Konjunktur, Margen und Nachfrage |

Was die aktuellen Zahlen für Aktionäre bedeuten
Im zweiten Quartal 2026 lag das operative Ergebnis bei 12,98 Milliarden US-Dollar, verglichen mit 11,16 Milliarden US-Dollar im Vorjahresquartal. In den ersten sechs Monaten summierte es sich auf 24,33 Milliarden US-Dollar.
Ich würde trotzdem nicht einfach den ausgewiesenen Nettogewinn als wichtigste Kennzahl verwenden. Veränderungen der Börsenkurse können das Nettoergebnis stark bewegen, obwohl die zugrunde liegenden Unternehmen unverändert arbeiten. Aussagekräftiger ist meist der Blick auf das operative Ergebnis, den Cashflow und die Kapitalverwendung.
Die Versicherung und andere Geschäftsbereiche hielten Ende Juni 2026 rund 359,2 Milliarden US-Dollar in Barmitteln, Geldmarktpapieren und US-Staatsanleihen. Das ist ein großer Sicherheits- und Handlungsspielraum, aber kein Beweis dafür, dass jede künftige Übernahme automatisch lukrativ sein wird.
Im zweiten Quartal kaufte Berkshire eigene Aktien im Wert von etwa 4,5 Milliarden US-Dollar. Rückkäufe erhöhen den Anteil jedes verbleibenden Aktionärs, sind aber nur dann sinnvoll, wenn die Aktie unter ihrem inneren Wert gehandelt wird. Genau diese Bedingung sollte ein Anleger kritisch hinterfragen.
BRK.A oder BRK.B welche Aktie passt besser
Die beiden Aktienklassen repräsentieren wirtschaftlich denselben Konzern. Eine Aktie der Klasse A kann in 1.500 Aktien der Klasse B umgewandelt werden. Die umgekehrte Umwandlung ist nicht möglich.
| Merkmal | BRK.A | BRK.B |
|---|---|---|
| Wirtschaftlicher Anteil | 1 Einheit | 1/1.500 einer A-Aktie |
| Stimmrecht | 1 Stimme | 1/10.000 einer A-Stimme |
| Umwandlung | In 1.500 B-Aktien möglich | Nicht in A-Aktien möglich |
| Typischer Einsatz | Große Einzelinvestments | Flexibler für Privatanleger |
Für die meisten Anleger in Deutschland ist BRK.B praktischer, weil sich kleinere Sparraten und Nachkäufe leichter umsetzen lassen. Die A-Aktie ist vor allem für sehr große Anlagebeträge oder spezielle Stimmrechtsüberlegungen relevant.
Eine Dividende zahlt der Konzern seit 1967 nicht mehr. Das Geld bleibt im Unternehmen und soll dort eine höhere Rendite erzielen, als ein Aktionär sie selbst erreichen könnte. Wer regelmäßige Ausschüttungen für seine finanzielle Planung benötigt, sollte diesen Punkt nicht kleinreden.
Warum Anleger die Holding interessant finden
Der größte Vorteil ist die Verbindung aus starken Tochterunternehmen und zentraler Kapitalallokation. Die operativen Manager arbeiten relativ unabhängig, während die Konzernleitung entscheidet, wohin überschüssiges Geld fließt.
Diese Struktur reduziert die Abhängigkeit von einer einzelnen Branche. Wenn der Einzelhandel schwächelt, können Versicherungen oder Energie stabiler laufen. Allerdings schützt Diversifikation nicht vor einer überhöhten Bewertung oder einem allgemeinen Rückgang an den Aktienmärkten.
Ein weiterer Pluspunkt ist die hohe Liquidität. Sie erlaubt es dem Management, in Krisen zu investieren, wenn andere Unternehmen verkaufen müssen. Für mich ist genau diese Option wertvoller als ein kurzfristig besonders hohes Gewinnwachstum.
Gleichzeitig sollte niemand die frühere Buffett-Rendite einfach in die Zukunft fortschreiben. Ein Konzern dieser Größe kann Kapital nicht mehr so leicht bewegen wie eine kleine Beteiligungsgesellschaft. Große Übernahmen müssen Milliardenbeträge aufnehmen und bringen zwangsläufig geringere Auswahlmöglichkeiten mit sich.
Die wichtigsten Risiken vor einem Kauf
Das größte neue Thema ist die Nachfolge. Greg Abel ist mit dem Unternehmen vertraut, muss aber beweisen, dass er Kapital ebenso konsequent und diszipliniert einsetzen kann. Die Kultur der Holding hängt weniger von täglichen Vorgaben als von Vertrauen, Auswahl der Manager und langfristigem Denken ab.
Hinzu kommt die Konzentration im Aktienportfolio. Ein Rückgang weniger großer Beteiligungen kann den Buchwert und den ausgewiesenen Gewinn deutlich belasten. Solche Schwankungen sind nicht automatisch ein Problem für das operative Geschäft, können aber die Aktie über längere Zeit unter Druck setzen.
- Versicherungsrisiko: Großschäden können die Ergebnisse eines ganzen Jahres verändern.
- Bewertungsrisiko: Auch ein hervorragendes Unternehmen kann als Aktie zu teuer sein.
- Währungsrisiko: Für Anleger aus dem Euroraum wirkt sich der Wechselkurs des US-Dollars aus.
- Konjunkturrisiko: Industrie, Transport und Konsum reagieren auf eine schwache Wirtschaft.
- Dividendenrisiko: Es gibt keine laufende Ausschüttung zur Finanzierung persönlicher Ausgaben.
- Regulierungsrisiko: Besonders Energie und Versicherungen unterliegen umfangreichen Vorgaben.
Ich würde außerdem nicht nur auf den Namen Buffett setzen. Vor dem Kauf prüfe ich, ob der aktuelle Kurs einen ausreichenden Sicherheitsabstand zum geschätzten inneren Wert bietet. Dieser Abstand wird oft als Margin of Safety bezeichnet und soll Bewertungsfehler abfedern.
Für welchen Anlegertyp die Aktie sinnvoll sein kann
Die Aktie passt eher zu Menschen, die langfristig denken, auf Ausschüttungen verzichten können und ein breit aufgestelltes US-Unternehmen im Depot halten möchten. Sie kann als einzelne Qualitätsposition interessant sein, ersetzt aber keinen weltweit diversifizierten ETF.
Wer bereits stark in US-Aktien investiert ist, sollte die zusätzliche Länder- und Währungsgewichtung berücksichtigen. Auch BRK.B bleibt eine einzelne Aktie und damit konzentrierter als ein Fonds mit Hunderten oder Tausenden Unternehmen.
Ein nüchterner Ansatz besteht darin, die Position schrittweise aufzubauen und nicht nach einer Schlagzeile zu kaufen. Ich würde auf operative Gewinne, Rückkäufe, Übernahmen, die Entwicklung des Floats und die Qualität der Nachfolge achten. Der wichtigste Anlagehorizont ist dabei nicht das nächste Quartal, sondern ein Zeitraum von vielen Jahren.
Was von Buffetts Erbe für die Aktie bleibt
Die entscheidende Frage lautet nicht, ob Berkshire Hathaway ohne Warren Buffett identisch bleibt. Das wird sie nicht. Entscheidend ist vielmehr, ob die Prinzipien der Holding weiter funktionieren, nämlich dezentrale Führung, vorsichtige Verschuldung, hohe Liquidität und eine disziplinierte Verwendung des Kapitals.
Die Zahlen aus 2026 zeigen bislang ein weiterhin leistungsfähiges Unternehmen mit mehreren großen Gewinnquellen. Trotzdem bleibt die Aktie nur dann attraktiv, wenn Qualität, Preis und persönlicher Anlagehorizont zusammenpassen. Genau diese drei Punkte sollten vor jeder Kaufentscheidung wichtiger sein als der berühmte Name hinter dem Konzern.
